Verfasst von: Capt. Cook | 17. Juni 2009

Testbericht: X-Men Origins Wolverine Uncaged Edition

Wolverine_Cover

Da die USK nicht so richtig begeistert von “X-Men Origins Wolverine Uncaged Edition” war und dem Spiel hierzulande die Freigabe verweigert hat, habe ich mir – als erwachsener Bürger – die Freiheit genommen, es aus England zu importieren – abgesehen davon, daß es durch den schwachen Pfundkurs auch noch konkurrenzlos günstig war.

Nachdem ich das Spiel nun rauschartig durchgespielt habe, möchte ich meine Eindrücke mit Euch teilen. Wie könnte man das Spiel am besten beschreiben? “Eine Mischung aus Force Unleashed mit Krallen und Tomb Raider in recht drastischer Darstellung“… das trifft es perfekt!

Worum geht’s?

Das Spiel ist die Videospielversoftung des Kinofilms “X-Men Origins: Wolverine”. Normalerweise ist “Filmumsetzung” ja immer ein Warnsignal und ein sicheres Zeichen, die Flucht zu ergreifen und das Spiel zu meiden. In diesem Fall trifft das jedoch nicht zu.  “Wolverine Uncaged Edition” (ich nehme mir die Freiheit, es künftig mit WUE abzukürzen) ist tatsächlich ein gutes Spiel geworden – und kein lieblos dahingeklatschter Lizenzschrott. (Achtung! Warnung! Dieser Artikel gilt NICHT für die in Deutschland erschienene Wii-Version, denn diese hat mit dem XBox 360 / PS3-Spiel nicht das geringste zu tun und IST lieblos dahingeklatschter Lizenzschrott!)

Schau mir in die Krallen, Kleiner!

Schau mir in die Krallen, Kleiner!

Neben der Tatsache, daß die Handlung des Films nacherzählt und erweitert wird, hat WUE ein Levelsystem, das es dem Spieler erlaubt, Fähigkeitspunkte zu verteilen und drei Mutationen nach Wahl besonders in den Vordergrund zu stellen. Dadurch wird Wolverine im Laufe des Spiels zu einer unglaublichen Kampfmaschine, zumal nach und nach auch weitere Moves und Combos freigeschaltet werden, die allesamt sehr reißerisch und cineastisch inszeniert sind.

Die Handlung (die, wie wir Comicfans wissen, übrigens frei erfunden ist ;) ) wird durch die Erzählung in Afrika-Rückblenden und Gegenwart etwas weiter ausgeführt. Dabei sind die Cutscenes (wie auch die übrige Grafik) wirklich gut gelungen und sehen hervorragend aus. Gesprochen werden Logan und Victor Creed von ihren Schauspielern, Hugh Jackman und Liev Schreiber.

Launch Trailer

Neue Elite-Gegner bekommen einen eigenen Auftritt mit Vorstellung

Neue Elite-Gegner bekommen einen eigenen Auftritt mit Vorstellung

Neben einem überraschend geschmeidigen und vielseitigen Kampfsystem nehmen Wegfindungssequenzen a la Tomb Rider einen großen Teil des Spiels ein. Häufig müssen Kisten geschoben, Räder gedreht, Abgründe überwunden, Seile erklommen, kleine Rätsel gelöst, Fallen entdeckt werden. Dieses ist jedoch nie nervig oder penetrant, sondern abwechslungsreich genug, um zu unterhalten und nie zu schwer oder undurchsichtig.

Da Wolverine über”Feral Senses” verfügt, einen alternativen Wahrnehmungsmodus, in dem die Richtung, unsichtbare Gegner und nutzbare Umgebungsobjekte hervorgehoben sind, verläuft man sich eigentlich nie und erkennt schnell, was als nächstes getan werden muß.

Gameplay

Das Gameplay erinnerte mich einerseits stark an The Force Unleashed. Man fühlt sich von Beginn des Spiels bis zum Ende übermächtig und seinen Gegnern überlegen. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß es durchaus einige knackige Gegnertypen gibt und man mehr als einmal das Zeitliche segnet.

Ein Hubschrauber? Der ist doch auch nur aus Blech...

Ein Hubschrauber? Der ist doch auch nur aus Blech...

Die Kombination aus vielfältigen Moves und Kombos und eine cinematische Kamera, die bei besonderen Kills gerne mal in eine Zeitlupe oder Rundumfahrt schaltet, sorgen für ein sehr stylisches Spielerlebnis. Daneben gehen Spielszenen und Cutscenes oft so fließend ineinander über, daß man manchmal gar nicht unterscheiden kann, ob man selbst noch die Figur steuert, oder ob man sich in einer Cutscene befindet, so daß man sicherheitshalber weiter die entsprechenden Tasten drückt. Manche Aktivitäten wie besonders weite und gelungene Sprünge haben zudem eigene kleine Cutscenes, was den cinematischen Eindruck noch verstärkt.

Besondere Feindtypen werden, wenn sie das erste Mal die Bühne betreten, kurz vorgestellt und ihr Name eingeblendet, damit man fortan weiß, womit man es zu tun hat. Diese Erstauftritte sind ebenfalls sehr schick gemacht.

Da die Kulissen sehr üppig, sehr detailliert sind und das Gameplay oft rasant ist, gibt es auch den ein oder anderen “Wow”-Moment – etwa bei der Begegnung mit dem ersten Hubschrauber oder dem Endkampf gegen Gambit auf den riesigen Buchstaben einer Leuchtreklame. Für die extrem coole Inszenierung gibt es von mir volle Punktzahl.

Dieser Gegner ahnt, was ihm blüht...

Dieser Gegner ahnt, was ihm blüht...

Das Spiel kann zu Beginn auf “easy” oder “normal” gespielt werden. Ich empfehle den normalen Schwierigkeitsgrad, er bietet genug Herausforderung, ohne jemals unfair oder zu schwer zu werden. Man wird im Laufe des Spiels derartig stark, daß man niemals in eine Sackgasse gerät – selbst nicht bei den dicksten Endbossen. Einzig gegen den Sentinel brauchte ich mehrere Anläufe, weil er wirklich UNGLAUBLICH groß ist, aber auch das war niemals unfair oder zu schwer – gegen jeden Boss gibt es eine Strategie und hat man diese erst einmal gefunden, ist der Rest nur noch Fleißarbeit.

WUE ist niemals unfair oder frustig, was vor allem an dem vorbildlichen Speichersystem liegt. Alle paar Meter, nach jedem Puzzle, jeder größeren Gegnerwelle, jedem neuen Abschnitt kommt ein automatischer Checkpoint. Dieser ist dauerhaft, das heißt, wenn das Spiel beendet wird, kann man das Spiel nahtlos dort fortsetzen. Eine manuelle Speicherung gibt es nicht, aber diese ist auch nicht nötig. Kein einziges Mal hatte ich, wenn ich an einer Stelle gescheitert bin, das Gefühl “oh nee, jetzt muß ich alles neu machen”. Das Spiel speichert vor jeder schwierigen Stelle und nach jeder schwierigen Stelle und immer genau richtig. Bis zum nächsten Speicherpunkt sind es meistens nur ein paar Minuten, so daß man keine Angst haben muß, ewig bis zum nächsten Checkpoint weiterspielen zu müssen, wenn man eigentlich seine Sitzung beenden möchte. Der nächste Checkpoint kommt immer wie gerufen.

Marvel-Puristen freut es: Classic-Kostüme sind freispielbar

Marvel-Puristen freut es: Classic-Kostüme sind freispielbar

Für Marvel-Puristen und Unterhemd-Gegner ist das Freischalten klassischer Kostüme möglich. Diese können jederzeit gewechselt werden und sind detailliert und liebevoll gestaltet. Die Stofftexturen der Kostüme sind hochwertig und sie wirken deshalb nie albern oder comichaft, sondern wirklich realistisch. Um ein Kostüm freizuschalten, müssen in den Levels versteckte Wolverine-Figuren gefunden werden. Hat man eine bestimmte Anzahl gefunden, schaltet sich unter “Bonus” für jedes Kostüm eine kleine Herausforderung frei, in der man im Danger Room gegen sich selbst bzw. den Wolverine mit dem neuen Kostüm besiegen muß. Diese Herausforderungen sind unterschiedlich schwierig, gegen Ende mit einem voll aufgelevelten Charakter aber kein Problem.

Die Umgebung mit einzubeziehen ist ein wichtiges Spielelement

Die Umgebung mit einzubeziehen ist ein wichtiges Spielelement

Hat man das Spiel durch, schaltet sich der “Hard”-Schwierigkeitsgrad frei. Wählt man diesen, wird der bisherige Spielstand überschrieben und alle Statistiken gelöscht! Möchte man das nicht, weil man zum Beispiel noch an Achievement arbeiten möchte, kann man nach Spielende jederzeit nach Belieben in jedes gemeisterte Level und sogar Unterlevel zurückkehren und dort noch ein wenig wüten oder übersehene versteckte Items suchen. Tut man dieses z.B. mit einem voll aufgelevelten Charakter in einem der Anfangslevel, so fühlt man sich wie das heiße Messer in der Butter.

Die KI der Gegner schwankt stark; Elite-Truppen sind dabei intelligenter und versuchen auch schon einmal, den Charakter einzukreisen oder in die Enge zu treiben, während das 08/15-Kanonenfutter sich eher hirnlos gebärdet wie die durchschnittlichen Sturmtruppen in Star Wars. Das fällt aber niemals störend auf, schließlich möchte man in diesem Spiel wie verrückt kämpfen und die Mischung aus einfachen Gegnern und Elite-Kämpfern mit höherem taktischen Anspruch paßt. Zu Beginn des Spiels hat man es fast ausnahmslos mit dummem Kanonenfutter zu tun, so daß der erste Eindruck täuschen kann, also keine Sorge – im Laufe des Spiels tauchen immer wieder neue, stärkere Spezialeinheiten auf und diese können es einem dann auch entsprechend wechseln.

Größere Zwischenbosse wie dieser Leviathan können einen echten Logan nicht erschüttern

Größere Zwischenbosse wie dieser Leviathan können einen echten Logan nicht erschüttern

Optional einschaltbare Spieltipps geben zudem Hinweise zur Steuerung und erinnern den Spieler an Moves, die in einer bestimmten Situation hilfreich wären. Ich hatte die Spieltipps eingeschaltet, weil sie im ersten Level als ein Tutorial fungieren und bis zum Ende immer gute Hinweise gaben, die immer genau richtig und kontextabhängig kommen – zum Beispiel versuchte ich einen “Instant Kill”-Move an einem starken Gegner und erhielt prompt den Hinweis, daß stärkere Gegner erst geschwächt werden müssen, bevor ein Instant Kill gelingt. Oder wenn ich mich von einer Gruppe bewaffneter Assassinen mit Klingen habe umzingeln und fast einstampfen lassen, blendet der dezente Hinweis ein, daß ich es mal mit Blocken oder Countern versuchen könnte. Ich empfehle, diese Tipps eingeschaltet zu lassen (Standard), denn sie sind wirklich zurückhaltend, aber dafür immer hilfreich, ohne den Spieler zu entmündigen.

Steuerung

Gelegentlich hat man es mit geradezu mystischen Feinden zu tun - wie diesen als Statuen getarnte Krieger

Gelegentlich hat man es mit geradezu mystischen Feinden zu tun - wie diesen als Statuen getarnte Krieger

Die Steuerung ist ausgezeichnet belegt und geht wie von selbst von der Hand. Zu Beginn startet man, wie in Force Unleashed, mit nur wenigen Moves und Combos. Neue Moves kommen jedoch schnell bereits während des Tutorial-Levels hinzu und werden gut erklärt. Da man im Laufe der Zeit wirklich viele Dinge mit der extrem beweglichen Spielfigur machen kann, hilft das sehr, sich alles einzuprägen. Auf diese Weise merkt man kaum, daß die Steuerung aufgrund der Vielzahl der Fähigkeiten der Figur eigentlich komplex ist.

Neben starken und schwachen Krallenangriffen, die zu Combos kombiniert werden können, kann Wolverine springen und doppelspringen, greifen, Gegner werfen, schleudern, in Objekte wie spitze herausragende Pfeiler rammen, einen weiten Sprung auf entfernte Gegner machen, der ebenfalls mit Krallen oder Wurf kombiniert werden kann, einen Instant Kill, der sich von Gegner zu Gegner unterscheidet, einen Feral Mode, in den man jederzeit umschalten kann, vier spezielle Fury-Angriffe, die mit Rage-Energie aufgeladen werden müssen, Rollen und Ausweichen, Blocken und Countern.

Da man schrittweise herangeführt wird, geht die Steuerung ausgezeichnet von der Hand und niemals kommt man in die Verlegenheit, im Steuerungsmenü nachschauen zu müssen, wie welcher Move noch einmal ging (obwohl das natürlich auch jederzeit möglich ist). Es artet nie in wildes Buttonmashen aus, da alle Combos und Moves sehr gezielt und genau abgerufen werden können. Gelegentliche Quicktime-Events, die jedoch eher im dauerhaften Drücken einer bestimmten Taste bestehen, runden das Steuerungskonzept ab. Sie sind aber deutlich einfacher als bei The Force Unleashed und bestehen meist nur aus einer Taste mit genug Zeit, diese zu drücken.

Grafik

Man beachte die schöne Spiegelung auf dem Holz der Kalaschnikow

Man beachte die schöne Spiegelung auf dem Holz der Kalaschnikow

Die Grafik gefällt mir ausgesprochen gut und ich bin erfreut über den Detailreichtum. Verwendet wird die Unreal Engine von Epic, die auch gut genutzt wird. Gegenstände sind zerstörbar, die Umgebung ist teilweise interaktiv; Statuen, Gabelstapler, alles kann verwendet werden, um zum Beispiel Feinde darauf aufzuspießen.

Die Umgebung ist extrem detailliert, es gibt schöne Partikeleffekte, tolles Wasser, winzige Details wie wirbelnde Blüten und Pollen in Afrika, Mündungsfeuer, Funkenschlag der Krallen, Schnee und Regenfälle in Kanada, Spiegelungen, Schatten und  Lichteffekte. Die Levels sind dabei sehr abwechslungsreich und unterscheiden sich grundlegend voneinander. So spielt ein Handlungsstrang in der Vergangenheit und zeigt die Details des Einsatzes in Afrika, bei dem sich Logan mit dem Team X überwarf. Afrika ist sehr üppig inszeniert mit einem Pflanzenwachstum, das einem Far Cry-Spieler die Tränen in die Augen treiben dürfte, überwucherten, mehrstöckigen Tempelanlagen mit riesigen Statuen, Hängebrücken und Dschungel, durch den kleine Tiere huschen. Die Fernsicht ist grandios und der Eindruck von Tiefe und Abgründen sehr überzeugend.

Daneben spielen Kapitel in der weitläufigen Weapon X-Anlage im Alkali Lake, im Schneetreiben in Kanada, in New Orleans, das mit den schönen Indoor-Wasserfällen an zwei riesigen Standbildern zu gefallen weiß bis hin zum Finale auf der atomaren Insel und dem aus dem Film  bekannten Endkampf mit dem (Pseudo)-Deadpool auf dem Rande des Atommeilers. Auch hier ist die Fernsicht fantastisch und das Gefühl von Höhe sehr überzeugend.

Überraschung, Bub!

Überraschung, Bub!

Die Charaktermodelle sind ebenfalls sehr mit Liebe zum Detail gestaltet. Logan ist Hugh Jackman nachempfunden und sieht diesem extrem ähnlich. Alle Verletzungen sind am Charaktermodell zu erkennen; bei schwersten Verletzungen liegt stellenweise das Adamantium auf den Knochen bloß. Da Wolverine über einen Healing Factor verfügt, ist das langsame Verschwinden der Verletzungen natürlich ebenfalls animiert.

Etwas merkwürdig erschien mir das öfter verschwindende und wieder auftauchende Unterhemd; ich kam schließlich zu der Überzeugung, daß das Unterhemd gelegentlich ausgeblendet wird, um freien Blick auf die Verletzungen = das Schadensmodell zu haben und daran den Grad meiner Verwundung abzulesen. Aber natürlich gibt es auch eine Lebensleiste und kurz vor dem Ende signalisiert ein spürbarer Puls im Gamepad die drohende Gefahr, so daß man sich in eine Ecke zurückziehen und heilen sollte.

Die Gegnertypen sind vielfältig. Neben “Kanonenfutter” (bzw. Krallenfutter) wie einfachen Soldaten mit MGs oder Macheten gibt es stärkere Brocken wie Macheten-Meister, mutierte Assassinen, brennende Gegner, Elite-Truppen wie Ghosts, die sich unsichtbar machen können, oder schwer bewaffnete Grenadiere, deren Granaten man mittels Blocken und gutem Timing per Krallenpost zurücksenden kann.

Auch größere Brocken wie Fels-Leviathane oder W.E.N.D.I.G.O.-Prototypen begegnen einem von Zeit zu Zeit. Die Kapitel werden jeweils von Boßkämpfen abgeschlossen, die jeweils eine spezielle Strategie erfordern. Andere Charaktere wie Victor Creed, Mystique, William Stryker sind ebenfalls sehr gut modelliert und sofort zu erkennen.

Dieses Spiel gehört tatsächlich zu den sehr gut aussehenden Titeln auf XBox 360. Grafikfehler gab es nur vereinzelt in Form einiger Clipping-Fehler. Keiner davon kostete mich jedoch das Leben, wie es in manch anderen Spielen schon mal passiert. Ruckeln habe ich keines bemerkt; an ganz wenigen Stellen streamt das Spiel nach und stockt für einen Moment, dieses wird jedoch durch den Texthinweis “Streaming” erklärt.

Sound

Die Musik ist abwechslungsreich wie die Schauplätze und paßt sich dynamisch dem Geschehen an. Die Spannweite reicht dabei von afrikanischen Trommeln über harte Gitarrenklänge bis hin zu epischen Klassik-Chören. In Kampfsituationen wird die Musik hektisch und treibend. Ist der Kampf vorüber, endet die Kampfmusik sofort und signalisiert dem Spieler dadurch, daß nun wieder für einen Moment Ruhe herrscht.

Ein Sentinel ist ein wirklich, wirklich großer Endboß...

Ein Sentinel ist ein wirklich, wirklich großer Endboß...

In Boßkämpfen ist die Musik natürlich unglaublich dramatisch und unterstreicht das Geschehen in sehr adrenalinfördernder Weise. Ich habe die Musik (was ich als persönliche Präferenz allerdings immer tue) sehr laut gestellt und fand, daß sie extrem zur Atmosphäre beiträgt.

Die Sprachausgabe ist gelungen, was auch am Einsatz der Original-Sprecher bzw. Schauspieler liegt. Auch die Gegner sprechen, rufen einander Warnungen zu und klingen niemals gelangweilt oder Elton-mäßig grottig, wie man es von manch deutscher Synchro kennt. Die Sprachausgabe ist natürlich, wie das gesamte Spiel, englisch.

In der Weapon X-Anlage gibt es Sprechfunkdurchsagen, die vor Wolverines Ausbruch warnen. Logan neigt während der Kämpfe zu diversen Sprüchen, die sich mit der Zeit etwas wiederholen. Das hält sich aber noch im Rahmen und fällt nur in den Boßkämpfen unangenehm auf. Im Rahmen des normalen Gameplays hat er genug Sprüche auf Lager, um abwechslungsreich zu bleiben, in etwa vom Ausmaß her wie die Sprüche in Gears of War – da habe in Spielen ich schon weitaus schlimmeres und repetitiveres gehört.

Fazit

100% subjektiv-StempelEs ist unschwer zu erkennen – mir gefällt das Spiel und das Durchspielen hat mir Spaß gemacht. Zwar ist es mit ca. 8 Stunden nicht gerade sonderlich lang, aber dafür sind es wilde und rasante 8 Stunden mit gelegentlichen ruhigen Momenten, in denen man Statuen umherschiebt und Mini-Rätsel löst.

Die Mischung des Spiels ist es, durch die ich mich gut unterhalten fühlte – eine sehr stylische Inszenierung, die einem das Gefühl gibt, sehr cooool zu sein, flotter Wechsel aus Action mit Cutscenes, garniert mit cinematischen Kamerafahrten. Immer wieder gibt es “Wow” oder “oh oh”-Momente.

Das Spiel gibt einem stets das Gefühl, die totale Kontrolle zu haben, die Steuerung ist durchdacht, das Skillsystem motiviert. Die Achievements geben einem einen zusätzlichen Anreiz, an bestimmten Moves zu arbeiten (mache X Counter, werfe X Feinde in Abgründe, nutze Xmal die Umgebung, töte X Feinde in Modus Y…). Eine Statistik zählt dabei stets mit, wie weit man noch vom Erreichen des Ziels entfernt ist, so daß man gezielt darauf hinarbeiten kann.

Das gesamte Spielprinzip kommt sehr fair herüber, vor allem durch das vorbildliche Checkpointsystem, und für meinen Geschmack bot es durchaus genug Abwechslung in Leveldesign und Gegnerscharen, auch wenn andere Stimmen das Spiel als zu repetitiv bewerteten. Ich fühlte mich keine Sekunde gelangweilt, sondern erfreute mich daran, einzelne Fähigkeiten auszubauen und möglichst vielseitig zu kämpfen.

Die Gewaltdarstellung ist sehr plastisch... und drastisch

Die Gewaltdarstellung ist sehr plastisch... und drastisch

Die Gewaltdarstellung ist allerdings extrem hoch, so daß empfindliche Spieler vorgewarnt werden müssen. Für Minderjährige ist das Spiel absolut nicht geeignet; tatsächlich gehört es genreübergreifend zu den brutalsten Spielen auf Konsole überhaupt. Die Grafik ist nicht comichaft überzeichnet, sondern sehr realistisch, wodurch die schiere Masse an unterschiedlichen Tötungsanimationen, die auch noch durch die Kamera besonders in Szene gesetzt werden, sehr drastisch wirkt. Das Spiel geht in der Hinsicht vollkommen enthemmt zur Sache und versucht nicht einmal, die Gewaltdarstellung in irgendeiner Weise zu verbrämen oder zu rechtfertigen, sondern weidet sich geradezu daran, sie möglichst reißerisch ins Bild zu setzen.

Blut und Körperteile spritzen und fliegen umher, das Aufspießen der Gegner auf Gegenstände oder die berüchtigte Szene mit dem Kopf eines Piloten im Hubschrauberrotor sind schon recht extrem. Wenn die USK sich geweigert hat, dem Spiel sogar eine Ab-18-Freigabe zu geben, geschieht dieses nicht ohne Grund in diesem Land, in dem Erwachsene vom Staat beschützt werden müssen. Activison hat sich erfreulicherweise geweigert, das Spiel für den deutschen Markt zurechtzustutzen und zu entschärfen und stattdessen auf eine Veröffentlichung verzichtet – gut so! Eine Light-Version dieser inszenierten Orgie der Gewalt mag und möchte ich mir nicht vorstellen; wenn ich mit so einem Spiel nicht leben kann, lasse ich es lieber ganz.

Wer sich an einem berserkerhaften, vollkommen enthemmten und unzimperlichen Superhelden erfreuen kann, der wird sich darüber freuen, daß Wolverine endlich mal wieder erwachsenenfreundlich dargestellt wird. Als Marvel-Purist macht es umso mehr Spaß, wenn man sich eines der Classic-Kostüme anzieht und dem Feind zeigt, was eine Harke ist.  Das Spiel ist problemlos per Import zu beziehen, zum Beispiel aus dem europäischen Umland wie amazon.co.uk.

Dieser Trailer gibt einen guten Eindruck vom Gameplay und der Inszenierung

Mir hat diese Mischung aus Force Unleashed (das ich sehr mochte), Tomb Raider-Anklängen und kinoreifer Darstellung sehr viel Spaß gemacht. Bedingungslos empfehlen kann ich einen solchen Extrem-Titel natürlich nicht, allein wegen der unglaublichen Gewaltdarstellung, aber wer sich für wilde Hack’n Slay-Action mit Action-Adventure-Elementen, einem völlig enthemmten Comic-Helden und cooler Story begeistern kann, sollte unbedingt einen Blick riskieren – und sich auch nicht vom Schimpfwort “Filmumsetzung” abschrecken lassen!

Bonus: Wolverine vs. Wolverine im Danger Room

Bonus: Wolverine vs. Wolverine im Danger Room

Bei diesem Spiel hat man sich definitiv Mühe gegeben und es geht weit über den Film hinaus, auch inhaltlich, auch wenn es sich natürlich an der Handlung orientiert.

Für mich ein Überraschungshit dieses Frühjahrs, denn natürlich habe auch ich mit nichts Gutem gerechnet, als das “Spiel zum Film” angekündigt wurde: man denke nur an Iron Man oder die Fantastischen 4 mit ihren grottigen Billig-Umsetzungen. Umso schöner, daß es auch löbliche Ausnahmen gibt – leider viel zu selten.

In diesem Sinne verabschiede ich mich mit einem Wolverine-Zitat, das den Nagel auf den Kopf trifft: “You boys have guts. Too bad that they are all over the floor.

Meine Bewertung:

Bewertung 4Ein Spiel, das durch seine Inszenierung, ein motivierendes Levelsystem, eine durchdachte Steuerung und sehr schöne Grafik zu gefallen weiß. Aufgrund der extrem hohen Gewaltdarstellung jedoch nicht uneingeschränkt zu empfehlen; wer damit kein Problem hat und sich mit dem Genremix aus Hack’n Slay, Action und Action-Adventure sowie dem Thema anfreunden kann, wird viel Spaß mit Wolverine Uncaged haben.


Antworten

  1. Danke fürs dein ausführliches Review! Hätte nicht gedacht dass das Game so gut weg kommt, werds mir wohl doch mal genauer anschauen

  2. Habt ihr immer so tolle Beitraege?

  3. Ich bemühe mich :) Danke für das Lob, das motiviert auf jeden Fall, weiter (hoffentlich) hilfreiche und ausführliche Beiträge zu schreiben!


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