Gerüchte besagen, es gibt XBox 360-Besitzer, die immer noch auf einem Röhrenfernseher spielen. Ja, nicht jeder hat im HD-Rausch seinen schönen, großen, einst topmodernen mit Black Trinitron oder Real Flat Megatron-Technologie ausgestatteten Fernseher aus dem Fenster geworfen, nur um sich einen LCD- oder Plasma-Fernseher zu kaufen. Vielmehr ist es tatsächlich so, daß Leute der Ansicht sind, daß es genügt, sich dann einen neuen Fernseher anzuschaffen, wenn der alte das Zeitliche segnet.
Da gute Röhren für ihre Langlebigkeit bekannt sind, bedeutet das, daß mehr Spieler auch heute noch auf einer 4:3 oder 16:9-Röhre spielen, als die Spielentwickler und Konsolenhersteller glauben möchten.
Normalerweise gibt es damit auch keine Probleme, abgesehen von einigen XBox 360-Spielen, auf denen man Probleme hat, die Schrift bei der niedrigeren Auflösung zu entziffern. Lord of the Rings – Conquest oder Dead Rising waren solche Kandidaten.
Immer wieder schaffen es jedoch einzelne Titel, bei denen man es aufgrund des phänomenalen Budgets und der weltweiten flächendeckenden Verbreitung nicht vermuten mag, den gemeinen Röhrenbesitzer zu überraschen – im negativen Sinne.
So geschehen ist es bei Rockstars neustem Blockbuster, dem Western-Epos Read Dead Redemption. Man sollte meinen, ein solcher Mainstream-Titel, der auf millionenfache Abverkäufe hinzielt, wird so programmiert, daß sämtliche Käuferschichten das beste Spielerlebnis haben. Dieses ist leider nicht der Fall – umso ärgerlicher, weil es bei einem solchen Titel natürlich mehr auffällt als bei einem Nischen-Spiel, das ohnehin nicht so viele Leute kaufen.
Kann mein Pferd noch oder fällt es gleich tot um?
Eigene Tests auf zwei verschiedenen Röhren-TVs (einem 4:3 Grundig-TV mit Flat Megatron-Röhre und einem exotischen 16:9 HD-Röhren-TV von Samsung mit 1080i) sowie zahlreiche Hilferufe in deutsch- und englischsprachigen Foren beweisen, daß Rockstar hier entweder geschlampt hat, sich einfach nicht vorstellen kann, daß nicht jeder seinen guten alten TV freudestrahlend aus dem Fenster geschmissen hat, oder daß es Rockstar schlicht und einfach egal ist, daß “ein paar” komische Leute Probleme mit dem Spiel haben.
Noch bemerkenswerter finde ich persönlich allerdings, daß kein Spieletester, keine Review, kein Spielemagazin auch nur mit einer Zeile am Rande in ihren euphorischen Tests auf diese doch einigermaßen gravierenden Probleme hingewiesen haben. Auch hier gilt: entweder, man ignoriert die Tatsache, daß es noch Leute mit Röhren-TVs gibt oder man läßt unter Zeitdruck einen kurzen Blick auf diese Version unter den Tisch fallen. Dabei sind Leser von Testberichten natürlich auch an solchen “exotischen” Mängeln durchaus interessiert. Gerade bei einem solchen Platin-Gold-Mega-Award-10 von 10-95%-Spiel hätte eine kleine Randnotiz nicht geschadet.
Na gut, übernehme ich den undankbaren Job eben.
Also. Red Dead Redemption ist ein sehr cooles Spiel, ohne Frage. Es sieht auch, selbst auf Röhren-TVs, ausgezeichnet aus, besonders was die Charaktere, die Mimik und die Bewegungen angeht, von den Pferden ganz zu schweigen. Die in zig Reviews hochgelobte kristallklare Grafik der Xbox 360 trifft allerdings nicht 100% auf die Besitzer einer Röhre, insbesondere einer 4:3 Röhre zu. 3 Kritikpunkte habe ich zu vermelden:

Der Radar und die Info sind links abgeschnitten
1. Die Bildränder sind abgeschnitten.
Bei meinem 4:3-Grundig-TV ist der linke Bildrand abgeschnitten. Das bedeutet, es fehlt ein Teil des Radars und damit die Ausdaueranzeige der Pferde. Von dieser ist nur der oberste und der unterste Zipfel zu erahnen, so daß man erahnen muß, wie es um die Ausdauer des Pferdes steht. Die Munitionsanzeige ist ebenfalls abgeschnitten, so daß man statt 3/21 nur die /21 sieht. Man weiß also nicht, wieviel Schuß man noch hat.
Außerdem fehlen bei den links oben eingeblendeten Info-Kästchen die ersten Buchstaben, so daß man den Text eher erahnen muß. Dadurch, daß er in einem ungünstigen Font geschrieben ist und relativ schnell wieder ausgeblendet wird, kann es dazu kommen, daß man eine Info im Eifer des Gefechts nicht ganz mitbekommt. Achtung: Zum Teil wird dieses Problem auch bei 16:9 Röhren-TVs gemeldet, so daß es weniger am Format als an der Auflösung zu liegen scheint.
2. Grafikschwächen
Was in Vergleichsvideos XBox vs. PS3-Grafik hämisch als Schwächen der PS3-Version hervorgehoben wird, können auch Röhrenbesitzer bei der XBox-Version bestaunen: nachladende Texturen und Pop-Ups. In einem Vergleichsvideo sah ich eine Kutsche, die an einer Felswand entlang fuhr. Die selbe Szene spielte ich auf dem Grundig-TV und siehe da: Die Texturen der Felswand luden nach und einzelne Büsche ploppten verspätet ins Bild. Dazu flimmert die Grafik insbesondere bei Treppen oder Geländern und ab und zu gibt es auch leichtes Wabern oder Nachziehen des Bildes. Die Umgebungsgrafik z.B. von Far Cry 2 sieht dagegen deutlich besser und klarer aus.
Damit kein Mißverständnis aufkommt – es sieht immer noch sehr gut aus und bewegt sich im Rahmen dessen, was Röhrenbesitzer oft von anderen Spielen gewohnt sind. Also kein Grund, das Spiel erschreckt im Laden liegen zu lassen! Aber es sollte mal erwähnt werden…
3. Schrift

Die Schrift ist nicht ganz optimal gewählt, insbesondere, wenn der Rand abgeschnitten ist und die Textboxen schnell ausgeblendet werden
Ein weiteres bekanntes Problem ist die verwendete Schriftart. Auf dem Grundig 4:3 stellte sich das Problem nicht, da war die Schrift trotz des westernhaften Schwungs eigentlich gut zu lesen, von den abgeschnittenen ersten Buchstaben einmal abgesehen.
Allerdings gibt es große Probleme damit auf der Samsung-HD-Röhre (nun gut, ein solches Gerät dürften gefühlte 3 Leute in Deutschland besitzen, aber in den USA waren die HD-Röhren-TVs seinerzeit vor dem LCD-Boom ein großer Verkaufsschlager und sehr beliebt) und auch aus zahlreichen Foren habe ich von Problemen mit der Lesbarkeit der Text-Einblendungen erfahren.
Erster Mini-Ersteindruck
Ansonsten bin ich noch nicht weit genug vorgedrungen in die Welt von Red Dead Redemption, um einen qualifizierten Ersteindruck von mir zu geben. Den Free Roam Multiplayer haben wir kurz angespielt, einige Runden Free For All Death Match und ein bißchen Blödsinn machen in der Welt und der erste Eindruck war super – und sicherlich suchteffektfördernd durch das ausgefeilte Belohnungsprinzip (Level, freischaltbare Charaktere, Challenges…).
Der Ersteindruck vom Single Player ist bislang nach ca. 3 Stunden Spielzeit auch sehr gut, das Open World-Feeling stellt sich relativ schnell ein und man beginnt, von der Hauptstory abzuschweifen und sich eigenen Aktivitäten hinzugeben. Das Speichersystem ist wieder etwas merkwürdig, wie es schon bei GTAIV war – es gibt keine Möglichkeit, das Spiel über einen “Quit Game”-Menüpunkt zu verlassen, sondern muß tatsächlich das Spiel durch Rückkehr ins Dashboard oder Ausmachen der Konsole beenden. Macht aber nichts, wenn man vorher in seinem Safehouse speichert. Verläßt man das Spiel aber nach einem Auto-Save-Ereignis, findet man sich beim Einschalten wieder in seinem Safehouse wieder, und nicht dort, wo das Spiel zuletzt gespeichert hatte.
Das Reiten ist gewöhnungsbedürftig, aber ich komme langsam dahinter. Man muß aufpassen, wen man erschießt, Wölfe fressen einsame Fußgänger gerne mal auf und man sollte nicht in fremde Kisten schauen, wenn jemand zuguckt.
Wenn ich weitergespielt habe, werde ich Euch natürlich an meinen Erkenntnissen und Einsichten teilhaben lassen. Laßt Euch nicht abschrecken von meiner Röhren-Meckerei, eigentlich habe ich diesen Artikel nur geschrieben, um Euch wissen zu lassen: “Ja, Ihr seid nicht alleine und auch andere Leute haben einen abgeschnittenen Radar!”.
Ich hoffe, Rockstar wird dieses Problem patchen oder zumindest eine Option anbieten, daß man das Bild ein Stück nach rechts verschieben kann. Die zahlreichen Foreneinträge können sie jedenfalls nicht übersehen; SO wenig Leute sind es nämlich gar nicht, die noch auf ihrer liebgewonnenen Röhre spielen…


Zum Spiel: Meiner Meinung nach grandios. Habe selten ein Spiel mit solch einer starken Atmosphäre erlebt. Einige Bugs mal ausgenommen, aber im Singeplayer bekommt man wirklich eine geniale Story in einer grafisch sehr gut umgesetzten Welt serviert. Auch die Charaktere können überzeugen, und genügend Sachen neben der Hauptmission gibts auch zu erleben. Wirklich klasse!!
Zu dem Röhrenfernseher-Problem: Dem stimme ich absolut zu. RDR ist beileibe nicht das erste Spiel; ich hatte zeitlang noch einen Röhrenfernseher und hab damals schon den ein oder anderen Hersteller verflucht. Ich weiß auch nicht wo das Problem liegen soll einfach einen Auswahleintrag beispielsweise in den Optionen hinzuzufügen, so das auch Röhrenspieler damit keine Probleme haben. Ist mir absolut unverständllich.
Von: -Stephan- am 2. Juni 2010
um 20:07